Dienstag, 23. Juni 2009

Hagelgedicht und noch mehr Bilder...






Der Hagel


Kommt Mädchen, laßt uns eilig
Die schönen Perlen sammeln,
Die uns der gute Himmel
Mit vollen Händen zuwirft!
Dann wollen wir in Schnüre
Sie fassen, und am Halse
Und zwischen unsern Locken
Sie tragen, wie die Töchter
Der Reichen, die von nun an
So stolz nicht und verächtlich
Auf uns herabsehn werden.
Seht wie sie groß und rund sind
Und klar, als wären wirklich
Sie alle von Krystalle!





Nicht um euch zu bereichern,
Ließ uns vor euch der Himmel
In solcher Menge fallen.
Ihr sollet euch ergötzen
An unsrer Form und Klarheit.
Wünscht und erfleht vom Himmel,
O Mädchen, nichts als was euch
Zum Leben unentbehrlich
Ist: Speise, Trank und Kleidung
Und eine Hütte, die euch
Vor Wind und Regen schütze.
Denn Reichtum, liebe Mädchen,
Verhärtet nur die Herzen,
Erzeuget Neid und Hochmuth.






Seht, wir vergehen alle
In euern jungen Händen.
So kommen und verschwinden
Die Schätze bei den Menschen;
Man kann auf sie nicht rechnen,
Wir aber, holde Mädchen,
Verwandeln uns in Wasser,
So klar und rein, daß keines
Von allen euern Quellen
Es jemals wagt, mit uns sich
An Reinheit zu vergleichen.

Elisabeth Kuhlmann
(1808-1825)

***





Mein Allwetter-Sohnemann hat kurzerhand
seinen Velohelm aufgesetzt
und die Einfahrtsstrasse
zur Roller- und Schleifbahn umfunktioniert!

Alles hat immer zwei Seiten,
man muss sie nur sehen wollen.

<;o)

So, meine Lieben
und nun kann ich meine Augen
auch vor der anderen Seite
nicht mehr länger verschliessen.

Mein Garten ruft...
eine Aufräumaktion ist angesagt!

<;o(


Kommentare:

Rosabella hat gesagt…

liebe Vilma, dieser Eintrag berührt mich gerade auf ganz besondere Weise ... würde ich es nicht mit meinen eigenen Augen sehen, ich könnte es kaum glauben, was sich da zugetragen hat ... wie stark ist doch die Natur! ... und vor allem auch, weil Du uns Zeilen von einer meiner Lieblingsschriftstellerinnen, Elisabeth Kuhlmann, dazugeschrieben hast ... das ist ganz wunderbar ♥
sonnige Morgengrüße von der Rosabella

LeNi Farbenfroh hat gesagt…

Ohje, da hat die Natur ja ganz schön zugeschlagen. Ich hoffe die Schäden im Garten sind nicht ganz so groß.
Das Gedicht ist ganz bezaubernd. Danke dafür.

Viele liebe Grüße Tanja

Tinki hat gesagt…

Hallo Vilma, ist denn viel kaputt gegangen? Die Armen Blumen und Bäume... ein schönes Gedicht hast Du dazu herausgesucht. Das gefällt mir sehr! Liebe Grüße von dem immernoch sonnigen Schl.-Holstein - Tinki

Gabriela hat gesagt…

Liebe Vilma
beeindruckend, wie durch dieses Gedicht diese gefürchteten Hagelkörner zu Weisheitsboten schmelzen. Hab Dank dafür! Wer weiss, vielleicht findest du selbst beim Schaden beheben noch "eine andere Seite".
Eine Frage: Ist die Schriftstellerin wirklich nur 17 Jahr alt geworden? Könnte googlen, ich weiss....

Herzlich
Gabriela

PS: Meine Kinder sind auch immer ganz begeistert, wenn es hagelt. (was aus meiner Sicht glücklicherweise selten vorkommt) Sie sammeln dann jeweils Hagelkörner für die Tiefkühlschrank und holen sie an Weihnachten wieder hervor.

filz-hand-art hat gesagt…

@Alle:
Zum Glück lagen "nur" Blüten, Blätter und Beeren am Boden und leider auch ein Schwalbennest, das der Hagel heruntergerissen hat...
Ja, die Elisabeth Kuhlmann ist im Alter von nur 17 Jahren an einer schweren Krankheit gestorben. Unglaubliches Talent! Ich finde dieses Gedicht über den Hagel auch ganz wundervoll geschrieben!
Schönen Abend euch allen und ganz liebe Grüsse, Vilma

s'Wuseli hat gesagt…

Liebe Vilma,
Du gibst uns sooo viel!
Es macht mich immer wieder froh, Deine Zeilen zu lesen! Ich versuche sehr oft zu vermitteln, dass alles zwei Seiten hat. Der Glücklichere ist, der aus jeder Situation das Beste macht. Alles hat einen Grund, auch wenn es im ersten Moment nicht danach aussieht!
Liebe Grüße
Gabi